
Schwanger und Rheuma – geht das? (Teil 2)
Hallo ihr Lieben!
der kleine Frosch in mir ist heute genau 32 Wochen alt – und ich bin somit in der 33. Schwangerschaftswoche. Was also hat sich seit meinem letzten Eintrag alles so geändert?
Erstmal die guten Neuigkeiten – mein Rheuma ist immer noch sehr brav. Will heissen: die Gelenke sind nicht dick und schmerzhaft geschwollen. Der Frosch bewegt sich weiterhin munter in meinem Bauch (zumindest so lange wir alleine sind) und auch die Herztöne sind in Ordnung.
Es gibt leider auch eine weniger gute Nachricht – offenbar hat mein Glück mit dem Rheuma da ein Ende wo der Schwangerschaftsdiabetes anfängt. Wie? Diabetes? Jap! Seit ca. knapp drei Wochen ist es sicher dass ich mit einem Gestationsdiabetes gesegnet bin. Beim 3. Ultraschallscreening fiel meiner Frauenärztin auf, dass der Bauchumfang des Babys im Vergleich zum letzten Mal ziemlich groß geworden ist und hat mich noch am gleichen Tag ins Diabeteszentrum geschickt. Ich war natürlich erst einmal ziemlich verwirrt. Großer Bauch? Ist das gefährlich? Muss ich mir um meinen ungeborenen Sohn jetzt doch Sorgen machen? Der Informationsschwall hielt sich allerdings erstmal in Grenzen. Ein großer Bauchumfang könnte wohl ein Hinweis auf Schwangerschaftsdiabetes sein. Auch dass das Cortison mit unter Schuld an dieser Zuckererkrankung ist, wurde mir erklärt. Alles andere was ich dann noch erfuhr war eher bescheiden. Offenbar kommt der Großteil der Schwangeren mit dieser Diagnose ohne Insulin aus, solange sie sich an einen guten Ernährungsplan halten. Aber erst einmal muss sicher sein, dass ich das habe.
Das Diabeteszentrum liegt nicht sehr weit von der Frauenarztpraxis weg und mein Mann und ich sind sogleich dahin spaziert. Dort wurde ich erstmal mit einer kurzen Ernährungsaufklärung und einem Zuckergerät nach Hause geschickt. Es hieß also erstmal aufpassen was ich alles in meinen Magen befördere und zeitgleich alles notieren und messen. Was genau dieses Diabetes allerdings mit mir und meinem Sohn anstellt, wusste ich danach auch nicht wirklich. Ich bin eigentlich kein Fan davon Krankheiten im allwissenden Internet zu googeln. Am Ende steht man fast immer mit mehren Sorgen da und ist nicht wirklich schlauer geworden. Da ich aber natürlich mehr wissen wollte – als dass Babys davon einen dicken Bauch bekommen- habe ich natürlich gegoogelt und wurde sogar etwas schlauer. Wenn natürlich auch (wie befürchtet) ängstlicher.
Offenbar steigt der Insulinbedarf in der Schwangerschaft (meist im letzten Drittel) stark an und viele werdende Mamis haben dann eben das Problem, dass der eigene Insulinhaushalt diese Menge nicht mehr verarbeiten kann und lagert den überflüssigen Zucker ein. Unter anderem im Muskel- und Fettgewebe des Ungeborenen – ergo dicker Bauch. Das kann unter anderem dazu führen dass in erster Linie die Babys zu groß werden, wenn nichts getan wird. Größere Babys können früher auf die Welt kommen und müssen notfalls (falls die Lunge noch nicht ausreichend gereift ist) künstlich beatmet werden. Auch das Risiko dass die Kinder später einmal an Diabetes erkranken sei vorhanden. Tolle Nachrichten oder? Natürlich hat daraufhin mein Gehirn verschiedene, furchtbare Szenarien vor meinem geistigen Auge ziehen lassen und meine Nerven waren nicht gerade die besten.
Ein paar Tage später waren meine Werte so mies, dass schnell klar wurde, dass nur mit Ernährung dieses Problem nicht in den Griff zu kriegen ist. Will heissen: ich bin einer der wenigen Schwangeren mit Gestationsdiabetes die sich munter und fröhlich Insulin spritzen dürfen. (yeah! …)
Mittlerweile bin ich wieder etwas ruhiger geworden. Ich habe jetzt das zweite Insulin bekommen da beim ersten nicht die erhofften Werte herauskamen. Bis jetzt spielt allerdings mein Blutzucker mit mir noch immer sein eigenes Spielchen und ich glaube mittlerweile, bis die Werte zu 100% passen ist der Kleine bereits auf der Welt. Beruhigend ist es dennoch etwas in der Hand zu haben womit man den Zucker in Schach hält. Und auch wenn der Morgenwert noch immer nicht ideal ist, so hält sich der hohe Zucker im Blut doch in seinen Grenzen.
Natürlich muss ich auch weiterhin 6-7 mal täglich meinen Zucker messen 3-4 mal täglich. Insulin in den Bauch jagen und auch das Erstellen eines Ernährungsplanes bleibt leider nicht aus. Nachdem klar war, dass ich Insulin brauche wurde ich ziemlich schnell von meiner Arbeit befreit und verbringe meine Tage jetzt damit mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu essen die besonders gesund sind, messen, spritzen, spazieren gehen und versuchen nicht alle die mit einer Pizza an mir vorbeimarschieren zu lynchen.
Ein gutes hat es dennoch. Seitdem ich nicht mehr arbeite (was immer noch etwas seltsam ist) brauche ich auch kein Cortison. Was sich vielleicht mit dem Gewicht dass ich noch zulegen werde, vielleicht noch ändert aber im Moment bin ich seit ca. 2 Wochen ohne Medikamente (bis auf das Insulin natürlich) und sehr froh darüber. Nicht dass dadurch mein Zucker besser wäre. Ich hatte schon immer das unfassbare Glück überall den schwarzen Peter zu ziehen.
Trotz der ganzen Aufregung der letzten Tage genieße ich es noch immer und bereue nichts. Ich hatte ja immer die Befürchtung, dass ich am Zahnfleisch daher kriechen muss und mir mein Rheuma einen Schub nach dem anderen beschert. Das ich jetzt mit etwas gesegnet worden bin das still und leise von statten geht, habe ich mir allerdings nicht gedacht. Nun ja, unverhofft kommt oft. Ich kann schließlich jetzt nichts mehr daran ändern und bin mittlerweile sogar froh dass meine Ärztin so schnell reagiert hat. Auch wenn ich es noch immer bemängel, dass man mir bis heute nicht direkt erklärt hat was genau passiert und ich mir den Großteil selbst heraussuchen musste.
Mittlerweile weiß ich auch dass das Risiko für mich wohl größer ist an Diabetes zwei nach der Schwangerschaft zu erkranken als für den Kleinen selber. Ich hoffe natürlich das ich nicht zu den 60% der schwangeren Insulinpflichtigen gehöre die das entwickeln aber wie gesagt: Die Sache mit dem Glück und dem schwarzen Peter sind bei mir da wohl etwas anders verteilt.
Ich freue mich dennoch auf den kleinen (dicken) Zwerg und genieße weiterhin die Schwangerschaft. Die Bewegungen im Bauch und das Gefühl etwas Besonderes in meinen Bauch heranwachsen zu lassen. Mein Mann ist mir in der Hinsicht eine große Hilfe. Sein Charme und sein Witz holen meine Sorgen doch immer wieder auf den Teppich. Meistens zumindest. 😛
Also um die Frage in der Überschrift nochmal zu beantworten: Ja, es ist möglich mit Rheuma (und Diabetes) schwanger zu werden auch wenn nicht immer alles glatt läuft und die Sorgen natürlich nicht ausbleiben. Es lohnt sich auf alle Fälle. Das hat sich in meinen Augen nicht verändert und ich denke auch nicht dass es das jemals wird. 🙂