
Schwanger und Rheuma – Geht das? (Teil 1)
Wie die meisten meiner Follower bereits mehrmals mitbekommen haben, bekommen wir in ein paar Monaten Zuwachs. Der kleine Frosch wächst brav und seine munteren Bewegungen spüre ich bereits täglich als sanfte Stupser in meinem Bauch. Die Vorfreude ist groß und wir können es kaum erwarten bis der Tag kommt, an dem wir unseren kleinen Jungen im Arm halten können.
Nun wundern sich vielleicht einige ob das auch alles so glatt gehen wird, schließlich begleitet mich mein Rheuma täglich und auch wenn man sich als gesunder Mensch nur eine gewisse Vorstellung machen kann, sieht man dennoch viele Hindernisse was das Leben mit Rheuma und Kind mit sich bringen kann.
Zuerst einmal bin ich ziemlich stolz dass diese Frage auf die ich mich schon seit dem Wissen der Schwangerschaft vorbereitet habe, von keinem meiner Familie oder Freunden gestellt wurde. Entweder haben sie tatsächlich soviel Vertrauen in meine Fähigkeiten (oder meinen Sturkopf) oder die Freude darüber ist einfach zu groß. Weshalb auch immer. Es gibt sicherlich dort draußen jemanden den das interessieren könnte. Das hier geht also an alle, ganz gleich ob Du selbst betroffen bist und Dich fragst ob dieser Schritt sinnvoll und machbar ist, jemandem sehr nahe stehst der sich in der selben Situation befindet oder befinden will oder einfach nur des Interesses halber.
Ja, es ist durchaus möglich als chronisch kranke Betroffene Kinderwunsch zu haben und sich diesen auch zu erfüllen. Dennoch sind diese Ängste und Gedanken völlig normal. In meinem Fall war ich mir schon seit langem sicher das ich selbst eines Tages Mutter sein will. In meiner Arbeit als MFA in einer Kinderarztpraxis, sehe ich täglich welch Segen und auch welch ein Fluch Kinder sein können. Das nennt man wohl Leben, und auch wenn ich Tage hinter mir haben an denen ich mehr Flüche als Segen durch das Wartezimmer habe flitzen sehen, hat sich an meinem Kinderwunsch nicht das geringste geändert.
Ich habe also dieses Thema sowohl bei meinem Rheumatologen sowie auch meiner Frauenärztin zur Sprache gebracht und wurde darin bestärkt dass ein Leben mit Rheuma und Kind durchaus möglich und machbar ist, ohne am Ende ein zitterndes, von Schmerzen gequältes Nervenbündel zu sein. Meine Medikamente wurden umgestellt und mir wurde mehrmals versichert, das es auch Möglichkeiten gibt während einer Schwangerschaft Medikamente zu geben, die dem Baby nicht schaden und der Mutter die Schmerzen nehmen. Wobei der Großteil der schwangeren Frauen die sich mit mir diese Krankheit teilten, oft beschwerdefrei oder nur wenig Beschwerden angegeben haben. Natürlich gibt es auch Frauen mit Rheuma denen es nicht gut erging und die mehr Medikamente zu sich nehmen mussten. Ich habe auf die positive Seite gehofft auch wenn ich trotzdem die schlechtere Seite immer im Hinterkopf behielt, was mich allerdings nicht davon abhielt es zu versuchen. Chronisch erkrankte Menschen sind oft zähe Brocken. Vor allem in Situationen die sich sowieso nicht ändern lassen und manchmal muss man eben in den sauren Apfel beissen wenn man sich etwas von Herzen wünscht.
Monate nach dem Einsetzen des künstlichen Hüftgelenkes entschieden sich mein Mann und ich, dass wir nach unserer Hochzeit unser Glück versuchen wollen. Die Pille wurde nach einem rauschenden Hochzeitsfest abgesetzt und vier Monate später war es dann auch so weit. Ich hatte zuerst Bedenken, dass wir vielleicht länger auf dieses Glück warten müssen, da ich seit vielen Jahren die Pille genommen habe und viele Rheumamedikamente die Fruchtbarkeit beeinflussen können. Glücklicherweise entpuppten sich solche Bedenken eben doch nur als harmlose Gedanken.
Ich bin jetzt in der 21. Schwangerschaftswoche, mein Basismedikament wurde sofort nach dem positiven Schwangerschaftstest abgesetzt. Meine Hoffnung komplett ohne Medikamente auszukommen haben sich dennoch nicht ganz erfüllt. Allerdings komme ich mit einer Minidosis Cortison (Prednisolon 5mg) gut über die Runden. Ich brauche keine zusätzlichen Schmerzmittel und diese kleine Menge schadet auch dem kleinen Frosch nicht. Auch das Risiko von vermehrten Wasser oder Schwangerschaftsdiabetes sind bei einer solchen Dosis gering. Trotzdem werde ich im nächsten Monat einen größeren Zuckertest aus der eigenen Tasche zahlen um dem zweiten Punkt, falls er denn eintreffen sollte frühzzeitig entgegen wirken zu können. Von diversen Wassereinlagerungen bin ich bisher verschont geblieben. Im Großen und Ganzen geht es mir wirklich gut, die Schwangerschaftsübelkeit hat mich nur kurz und nicht übermäßig viel die ersten Wochen beehrt und sich auch schnell wieder verabschiedet.
Ich bin mir sicher das sich in den folgenden Monaten oder Jahre noch Dinge auftun werden, die mit den Einschränkungen des Rheumas schwerer zu meistern sind aber ich bin nicht alleine und guter Hoffnung dass sich diese schwierigen Phasen auch meistern lassen.
Ich werde auf alle Fälle berichten, von den guten sowie auch von den schlechten Dingen. Schließlich kann es ja nicht immer bergauf gehen oder? 🙂
Lasst es euch auch in schlechten Zeiten gut gehen!
Eure Bibi!
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Ein Kommentar
Kathrin
Herzlichen Glückwunsch ? und noch eine spannende Zeit